Alles über Digitale Nomaden und wie du einer werden kannst

Um die Welt reisen und von überall arbeiten! Davon träumen viele, wir haben es gemacht!

Digitale Nomaden sind Menschen, die ihr Geld online und unabhängig von einem Standort verdienen und sich entschieden haben, das Leben flexibel um die Arbeit herum zu gestalten.

Ich selbst arbeite seit 2011 durchgehend Remote, entweder aus dem Homeoffice, einem Coworking Space oder eben von unterwegs als Digitaler Nomade.

Dieser Artikel soll verschiedene Stufen zum Digitalen Nomaden aufzeigen, mit einigen Vorurteilen aufräumen, sowie die Vor- und Nachteile dieses Lebensmodells aufzeigen. 

Digitale Nomaden bei der Arbeit.
Heidi & ich im „Office“ auf Java, Indonesien

Was sind Digitale Nomaden?

Viele können sich überhaupt nicht vorstellen, was Digitale Nomaden den ganzen Tag so machen. Immer nur sieht man diese tollen Bilder bei Instagram und fragt sich, wie diese Menschen eigentlich ihr Leben finanzieren, während man selbst vielleicht gerade in der überfüllten U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit sitzt. Dabei ist es eigentlich gar nicht so anders im Vergleich zu bekannteren Modellen, wie dem Coworking oder dem klassischen Homeoffice.

Digitale Nomaden sind meist Selbstständig und haben einen ganz normalen online Job, wie andere auch. Digital sagt in dem Fall erstmal nur, dass der Job mit einem Computer und über das Internet ausgeführt werden kann. Damit sind per se schonmal alle Berufe ausgeschlossen, die eine physische Präsenz erfordern.

Nomade steht dafür, dass der Mensch permanent unterwegs ist und von Ort zu Ort zieht. Vor allem dieser Teil hat sich in den letzten Jahren bei vielen Nomaden allerdings gewandelt. Digitale Nomaden können reisen, müssen es aber nicht permanent machen. Macht auch nichts, denn immer sind auch nur noch 30% der Nomaden in der Mongolei echte Nomaden. Der Rest ist sesshaft geworden.

Auch bei den Digitalen Nomaden ist eher das Gegenteil von Dauerreisen der Fall. Sie sind keine Backpacker und viele Digitale Nomaden – wie ich auch – werden irgendwann müde vom Reisen und legen sich eine Homebase zu, von der aus sie dann zu verschiedensten Reisezielen aufbrechen. Dieser ist dann selbstverständlich weiterhin an einem Wunsch-Ort, z.B. am Meer oder in den Bergen. Die Reisedauer und -geschwindigkeit hängt dabei nicht von der Urlaubsdauer (wie beim klassischen Arbeitnehmer) ab, sondern vom individuellen Empfinden. Digitale Nomaden bleiben gerne auch mal deutlich länger an einem Ort, als es ein typischer Tourist tut. Das können mal Wochen oder auch mal Monate sein.

Vor Ort wird dann in der Regel auch nicht aus dem Hochbett einer Jugendherberge gearbeitet, sondern bequem aus einem Langzeit-Airbnb (oder Äquivalent) oder einem lokalen Coworking Space.

Mehr Lifestyle als Business? Wie viel arbeiten Digitale Nomaden wirklich?

Ich würde sagen, dass es mehr Lifestyle bei gleichem Business heißen sollte. Der wesentliche Unterschied von digitalen Nomaden zu einem nicht-digitalen Nomaden ist die Gestaltung der Freizeit. Denn die verbringen digitale Nomaden typischerweise an exotischeren Orten, als es der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland tut. Die Arbeit selbst kann (muss aber nicht) dabei genau so unsexy sein, wie sie es auch bei einem Selbstständigen in Deutschland sein kann.

Meist haben Digitale Nomaden ein Online Geschäftsmodell aufgebaut und sich ein Arbeitsumfeld geschaffen, das weniger Strukturen erfordert und sie damit flexibler macht.

Damit ist – meiner Meinung nach – auch die Grundmotivation eine andere, als die von Menschen mit einem festen Umfeld. 

Statt auf Geld oder Status, versuchen Digitale Nomaden effizienter und meist „smarter“ zu arbeiten, und optimieren statt auf Gehalt Karriere eher auf Freizeit und Lebensqualität. 

Digitale Nomaden sind nicht faul, sondern haben ihren Arbeitsalltag meist so optimiert, dass die Freizeit bewusster genossen werden kann. Sie arbeiten nicht, um nach 8 Stunden auszustempeln, sondern hören dann auf, wenn die Arbeit getan ist. Das kann mal nach 3 Tagen Durcharbeiten der Fall sein, aber auch mal nach 30 Minuten. Ich selbst habe z.B. auch Tage, an denen ich morgens schon weiß, dass mein Kopf heute nicht mitmacht. Statt mich zu ärgern, mache ich lieber etwas ganz anderes und hol die Zeit an einem anderen Tag wieder rein. 

Statt Abends den Fernseher anzumachen oder ins Fitnessstudio zu gehen, erkunden Digitale Nomaden die örtliche Kultur oder gehen – wie ich – einfach surfen.

Der Lifestyle und das Ausleben der Abenteuerlust sind für Digitale Nomaden ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens und der Antrieb für den Job.

Wie werde ich Digitaler Nomade? Vom Homeoffice zum Remote Worker zum Digitalen Nomaden

Als ich von 2008 bis 2010 meinen ersten und letzten „richtigen Job“ in einem Konzern hatte, war Homeoffice noch ein echtes Privileg. Durch die Pandemie ist das ganze Thema aber durchaus „Mainstream“ geworden. Vielleicht der einzige positive Effekt bei der ganzen Nummer 😉 Damals, nach meiner Kündigung und dem Mitaufbau meines ersten erfolgreichen Startups, habe ich dann zunächst 6 Jahre als Remote Worker gearbeitet. 2016 habe ich dann alle Zelte in Deutschland abgebrochen (zumindest die zum Wohnen) und war eine Weile als Digitaler Nomade an den verschiedensten Orten dieser Welt – mal hier, mal da, und auch mal in Deutschland. Das sind die wesentlichen Unterschiede der 3 Arbeitsmodelle:

Homeoffice

Wer im Homeoffice arbeitet, der hat typischerweise einen festen Platz im Büro. Das kann übrigens genauso auf Selbstständige zutreffen, wie auf Arbeitnehmer. Das Homeoffice ist der Ausweichort, z.B. für Konzentrationsphasen, bei leichtem Schnupfen oder wenn ein dringendes Postpaket erwartet wird. Der Hauptarbeitsort ist in der Regel jedoch das Büro in einem Unternehmen. Über die Sinnhaftigkeit von Büros und Anwesenheitspflichten mag ich an der Stelle nicht sprechen. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Remote Worker

Remote Worker sind Menschen, die einen festen Arbeitsplatz ausserhalb eines festen Firmenbüros haben. Ich selbst habe z.B. 2011 ein Startup mit meinem Mitgründer aufgebaut, das in Frankfurt war (bei meinem Mitgründer René), obwohl ich in Hamburg wohnte. Ich selbst wurde damit zum Remote Worker aus Hamburg heraus. Mein Arbeitsplatz waren entweder das heimische Homeoffice oder ein CoWorking Space in der Nähe.

Dieses Konstrukt wird auch gerne von größeren, internationalen Startups genutzt, um z.B. in neue Länder zu expandieren. Meist startet die Expansion mit einer One-Man-Remote-Worker-Show.

Digitale Nomaden

Digitale Nomaden haben keinen festen Arbeitsort und sind 100% räumlich flexibel. Sie gehen zwar ebenso gerne in CoWorking Spaces, richten sich aber kein Büro ein. Der Arbeitsort hängt dabei von den persönlichen Vorlieben ab. Viele gehen gerne in Cafés oder CoWoking-Spaces, andere arbeiten lieber alleine in den 4-Wänden, die gerade das zu Hause auf Zeit sind – so wie ich. 

Diese Form des Arbeitens ist nicht zwingend an eine Selbstständigkeit gebunden, aber in den meisten Fällen dürfte das der Fall sein. Der Grund: Die Arbeit in Teams und mit ständig wechselnden Zeitzonen macht die Zusammenarbeit nicht einfacher.

Digitale Nomaden leben günstiger als Touristen

Ein großer Vorteil von Digitalen Nomaden ist, dass sie häufig deutlich günstiger leben und für ein Vollzeit-Leben in einer Traumumgebung nicht mehr Geld benötigen, als sie es in Deutschland benötigt haben. Nicht selten wird das Leben für Digitale Nomaden sogar günstiger, schaut man sich die Haupt-Kostenfaktoren mal genauer an.

Wohnraum

Die Wohnkosten hängen stark vom Land und der Region ab, so wie auch in Deutschland die Mietpreise stark nach Region schwanken. Der große Vorteil ist aber, dass Digitale Nomaden keine Touristen sind und statt teurer Hotelzimmer ganze Wohnungen oder Häuser für einen längeren Zeitraum mieten und damit von Langzeitmietpreisen profitieren. Eine beliebte Plattform, um Monatsmieten zu finden, ist Airbnb. Die Monatsmietpreise liegen im Verhältnis teilweise 60% oder mehr unter den Tagesmietpreisen. Airbnb hat dafür sogar eine eigene Suche eingerichtet. Mittlerweile gibt es aber auch jede Menge andere Plattformen, Facebook Gruppe und Communties vor Ort, die günstige Unterkünfte auf Zeit anbieten. Für 1200€ im Monat kannst du z.B. eine 60m2 Wohnung in Hamburg mieten, oder eine 140m2 Villa auf Bali mit Pool und Blick in die Reisfelder, wenn du diese mindestens 3 Monate mietest.

So können Digitale Nomaden auf Bali
Eine Villa auf Bali für den Preis einer kleinen Stadtwohnung in Deutschland? Wie würdest du dich entscheiden?

Alleinreisende Digitale Nomaden suchen sich häufig auch Mitbewohner auf Zeit, um sich gemeinsam z.B. eine Mehrbett-Unterkunft zu mieten. Ein weiterer Trick ist, nicht immer direkt im Touristen-Ort selbst zu wohnen, sondern in einem Vorort. Wir haben z.B. für unseren Byron Bay Trip in Australien ein Haus im 20 Minuten entfernten Mullumbimby gemietet. Da wir arbeiten und ohnehin nicht die ganze Zeit in der City sein wollten, war es perfekt. 

Essen

Auch beim Essen ist der Spareffekt groß. Touristen gehen meist auswärts Essen und zahlen dafür den entsprechenden Restaurant-Preis. Digitale Nomaden hingegen gehen aber auch gerne einfach mal in den Supermarkt und kaufen ein. Damit wird ein weiterer wichtiger Vorteil an Airbnbs gegenüber Hotelzimmern deutlich: Es gibt einen Kühlschrank und eine Küche!

Es gibt aber auch Länder, da ist das mit dem einkaufen und kochen eher unüblich, vor allem in Asien. Meine persönliche Erfahrung war z.B., dass mein Monatsbudget für Lebensmittel in einem Monat auf Bali teurer war, als im gleichen Zeitraum Monat in Vancouver, Kanada. Die Gewohnheit richtet sich eben nach den Möglichkeiten.

Mobilität

Besonders, wer länger an einem Ort bleibt und die Umgebung entdecken will, der muss mobil sein. Typischerweise werden dafür Mietwagen oder Roller gemietet. Natürlich kann man auch mit dem Bus zum Supermarkt fahren, sofern es einen gibt. In machen Umgebungen bietet sich aber auch ein Fahrrad oder einfach Uber an. In Sri Lanka oder Thailand kann man sich z.B. auch super per Tuk Tuk für ein paar Euro herumfahren lassen. Beim Punkt Mobilität haben Digitale Nomaden leider keinen echten Kostenvorteil gegenüber dem Leben in Deutschland. Autofahren ist nun mal teuer. Das gilt für Deutschland und die Welt. Sparen kann man dafür in Städten durch die Nutzung von des ÖPNV. Das gilt für Deutschland aber genauso wie für andere Länder. 

Fairerweise muss man an dieser Stelle aber noch den Flug-Vorteil nennen. Digitale Nomaden sind in der Regel zeitlich sehr flexibel und können kleine Flugstrecken so aneinanderreihen, dass der Weg zu Ziel günstiger wird und unterwegs dafür ein paar tolle Zwischenstopps eingebaut werden. Ein Langstreckenflug, der nur zu einer bestimmten Zeit gehen darf, ist meist deutlich teurer. Und der Weg von Bali nach Australien ist deutlich günstiger und unbeschwerter, also von Deutschland nach Australien.

Freizeitausgaben

Digitale Nomaden haben weniger oder keine Fixkosten. Sie zahlen kein Geld mehr für Fernsehen, eine Festnetznummer, Miete und andere Dinge, man unterwegs einfach nicht mehr braucht. Digitale Nomaden investieren in der Regel selektiver, z.B. mal für eine Yogastunde oder in eine Sprachschule. 

Für mich persönlich hat sich auch geändert, dass ich im Urlaub z.B. keine Surfbretter mehr ausleihen und Surfkurse bezahlen musste. Durch das langfristige Leben am Meer hat sich die Investition in eigenes Material mehr als gerechnet. Und als nicht-mehr-Anfänger fallen auch die Kurse und auch die teuren Surfcamps weg. Das trifft natürlich auch auf jedes andere Vollzeit-Hobby zu.

Digitale Nomaden und Infrastruktur

Es heisst immer so schön, dass Digitale Nomaden nur einen Computer und stabiles Internet brauchen. Ich habe sogar schonmal den Test gemacht, ob ich mein Unternehmen nicht sogar ausschließlich vom Handy steuern kann (hat zu 98% geklappt damals – als Blogger ist das schwieriger).

Internet & Telefon

Tatsächlich ist die benötigte Infrastruktur bei Nomaden aber überschaubar. Meist reicht ein Tisch, Strom, Internet und ab und zu mal die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können. Für stabiles Internet sorgt in der Regel eine lokale Daten SIM Karte, die wahlweise in das Smartphone oder einen SIM Karten Router gesteckt wird. Eine lokale Daten SIM Karte ist meist deutlich günstiger und liefert garantiert das beste Netz vor Ort. In Sri Lanka z.B. eine 25GB SIM Karte mit 4G Geschwindigkeit rund 20€. Darin waren ausserdem 8GB Willkommensbonus und weitere 25GB inbegriffen, die ich von Mitternacht bis 8 Uhr morgens nutzen kann. In Indonesien kosten 40GB umgerechnet ca. 5€. Selbst in Portugal in Frankreich gibt es mittlerweile unlimited LTE Tarife für rund 30€ / Monat. Generell habe ich bis auf wenige Ausnahmen die Erfahrung gemacht, dass Abdeckung weltweit erstaunlich gut ist. Und auch die Kosten liegen im Verhältnis deutlich unter denen von vergleichbaren Tarifen in Deutschland. Ich verbrauche bei normaler Nutzung rund 15-30GB im Monat. Mit der aktuellen Karte sind also locker ein paar Netflix Downloads mit drin. Wenn das mal nicht der Fall ist, gibt es Cafés mit WLAN und hilfreiche Apps wie WiFi Map, um kostenlose WLAN Netze zu finden.

Wer trotz ausländischer Daten SIM Karte eine deutsche Handynummer benötigt, der kann das z.B. sehr einfach über Skype oder Satellite.me bekommen. Letzteres ist eine App, die sogar kostenlos eine deutsche Handynummer auf jedes Handy zaubert, solange es im Internet ist. 

Software & Daten

Das wichtigste für Digitale Nomaden ist aber ein gutes Cloud-Backup. Kaum eine Software ist heute noch auf dem Computer lokal installiert. Alle Daten werden in der Regel automatisch per Dropbox, Google Drive oder einem anderen Service synchronisiert. Die E-Mails und der Kalender liegen bei Google und auch die Buchhaltung ist in der Cloud. Mit dem Steuerberater wird digital kommuniziert und sogar der Jahresabschluss kann mittlerweile online freigezeichnet werden. Da Steuerberater nach Tabelle bezahlt werden, kann man sich also ruhig jemanden suchen, der Digitale Geschäftsmodelle versteht.

Und sollte doch mal eine notariell beglaubigte Unterschrift erforderlich sein (z.B. für Verträge oder Vollmachten): Es gibt fast überall auf der Welt deutsche Konsulate, die das machen. Der internationale Versand von Dokumenten ist ebenfalls kein Problem. Ich habe bereits Verträge per UPS Express von Australien nach Deutschland geschickt und mir neue Kreditkarten mit DHL von Deutschland nach Lombok schicken lassen. So ein Brief kostet dann halt mal 30 € oder etwas mehr, ist aber dafür auch in 7–10 Tagen am andere Ende der Welt angekommen.

Was arbeiten Digitale Nomaden?

Digitale Nomaden haben i.d.R. einen Job, der auf einem Online Geschäftsmodell basiert. Das sind z.B.:

  • Affiliate Marketing 
  • Online Werbung 
  • Online Kurse, Bücher, eBooks
  • Software (SaaS)
  • Bezahlte Mitgliedschaft
  • Amazon FBA / E-Commerce Shop
  • Marktplatz-Transaktionen
  • Productized Service 
  • Dropshipping (nicht aus China!) 
  • Zeit-gegen-Geld Modelle, z.B. als Berater, Coach, Programmierer, Designer, Video-Cutter etc.

Meldepflicht, Steuern und Krankenversicherung

Wie sieht das mit den formellen Fragen aus? Müssen sich Digitale Nomaden aus Deutschland abmelden?

Melde- und Steuerpflicht

Generell ist die Regel, dass ein Mensch sich dort meldet und Steuern zahlt, wo er sich die meiste Zeit des Jahres (183 Tage) aufhält. Wenn das als Dauerreisender jedoch nirgendwo der Fall ist, bewegt man sich in einem legalen Steuerfreien Raum (Achtung: ich bin kein Experter oder Berater – bitte informiere dich ggf. bei deinem Steuerberater). Die Abmeldung ist in Deutschland übrigens schon nach zwei Wochen nach Auszug aus einer Wohnung Pflicht.

Viele machen das aber nicht, weil die bestehenden Strukturen von z.B. mit Krankenversicherungen im Heimatland oder mit Firmenkonstrukten das nicht ganz so einfach machen. Eine Optimierung ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, auch wenn es Zeit in Anspruch nimmt, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Versicherungen gibt es auch ohne Wohnsitz in Deutschland.

Christoph Heuermann hat die Vorteile, die Ortsunabhängige nutzen können, in der sogenannten Flaggentheorie gut beschrieben. Diese sagt im Wesentlichen: 

Gehe dort hin, wo du am besten behandelt wirst.

Das betrifft Arztbesuche, Steuern und eigentlich alle Aspekte des Lebens. 

Krankenversicherung

Was die Versicherung angeht: Ich persönlich nutzte z.B. für längere Aufenthalte im Ausland eine Auslandskrankenversicherung, die mich bis zu 6 Wochen pro Jahr auch noch in Deutschland mitversichert. Meine deutsche, private Krankenversicherung lag in der Zeit auf Anwartschaft (war pausiert). Unsere Auslandskrankenversicherung kostete gerade mal 55 Euro im Monat pro Person und deckte uns weltweit ab – auch in den USA und Kanada (auch bei der Vorsorge). 

Zum Vergleich: Meine private Krankenversicherung in Deutschland kostet rund 350 Euro pro Monat. Allein für die Anwartschaft musste ich rund 140 Euro im Monat zahlen, und war dafür nicht mal versichert! Es lohnt sich also, auch dieses Thema mit in die Gesamtbewertung einfließen zu lassen und langfristig zu optimieren.

Visum

Das Visum ist der Punkt, an dem viele meisten Nomaden kreativ werden müssen.

Denn viele Digitalen Nomaden reisen mit Touristen Visa durch die Welt. Damit sind Aufenthalte zwischen 30 und 90 Tagen in der Regel kein Problem, auch wenn damit offiziell das Arbeiten nicht gestattet ist (im Falle einer Razzia immer sagen, dass du eine E-Mail an deine Mama schreibst). Darüber hinaus gibt es Work & Travel Visa, die gerade für jüngere Nomaden spannend sein können. Damit ist das Problem nicht endgültig gelöst, aber immerhin bekommt man damit häufig ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht von einem Jahr. Hier findest du übrigens die besten Work & Travel Visa Länder für Surfer.

Viele Länder bieten mittlerweie auch Business Visa an. Je nach Unternehmensstruktur und Geschäftsfeld kann das auch das eine Lösung sein. Die Ausbaustufe ist, eine Firma im Wunschland zu gründen, um darüber letztlich auch an ein Visum zu kommen.

Eine übliche Praxis ist auch der sogenannte Visa-Run: Ein kurzer Ausflug in ein Nachbarland, um die Aufenthaltserlaubnis bei der erneuten Einreise wieder zu verlängern. Für Nomaden, die ohnehin alle paar Wochen weiterreisen, ist das ohnehin kein Problem. Einfacher haben es da EU Bürger, die sich innerhalb der EU temporär oder länger niederlassen wollen. Hier gibt es keine Limits oder Einschränkungen.

Vor- und Nachteile im Leben von Digitale Nomaden

Es ist nicht alles Gold, was (bei Instagram) glänzt.

Nachteile

Wer viel reist, der muss auch mit den Schattenseiten leben. Dazu gehören z.B.

  • Kein festes, soziales Umfeld
  • Die Familie ist weit weg
  • Teilweise kommt wenig Verständnis aus dem engeren Umfeld
  • Die Familienplanung wird dadurch nicht einfacher (aber scheint bei vielen dennoch zu funktionieren)
  • Ein Haustier zu haben ist schwierig
  • Man wohnt quasi permanent in „fremden“ Sachen
  • Die Suche nach einem guten Arbeitsplatz ist manchmal ganz schön mühselig
  • Arbeiten bei 30 Grad ist anstrengender, als es aussieht

All diese Punkte kann man nicht wegreden und sind Gründe, warum sich er ein oder andere Digitale Nomade dafür entschiedet, „zurück“ zu kommen oder zumindest irgendwo wieder fest(er) zu sein. Auch wir haben nach einer längeren Dauerreise erstmal wieder länger an einem Ort durchgeatmet – und obwohl wir selten kürzer als 4 Wochen an einem Ort waren.

Vorteile

Auf der anderen Seite gibt es aber auch deutliche Vorteile, die für viele überwiegen:

  • Leben, wo andere Urlaub machen
  • Höhere Lebensqualität (Sonne, Essen, Freizeit, etc.)
  • Das Hobby zum Alltag machen (für uns: Surfen)
  • Jeden Tag etwas Neues entdecken
  • Kulturen kennenlernen statt Touristen-Hotspots
  • Tiefere Einblicke in fremde Kulturen (weil man nicht nur als Tourist unterwegs ist)
  • Freunde auf der ganzen Welt finden

Klar ist auch, dass sich der Anspruch an das Leben alle paar Jahre ändert. Digitales Nomadentum kann also auch nur etwas für einen bestimmten Lebensabschnitt sein, in denen sich die Prioritäten der Vor- und Nachteile jederzeit verschieben können. Aber auch das ist ein bedeutender Vorteil von Digitalen Nomaden: Sie können aufgrund der flexiblen Arbeit jederzeit selbst entscheiden, wann das Leben wie aussehen soll. Wer möchte, kann sich theoretisch sogar wieder in ein Angestelltenverhältnis zurückbegeben. Andersherum ist es schwieriger.

Wo finde ich Digitale Nomaden Jobs?

Das klingt alles gut für dich und du möchtest jetzt am liebsten auch unter die Digitalen Nomaden gehen? Wenn dir noch der passende Job fehlt, dann mache dich entweder mit der passenden Idee selbstständig, oder suche dir einen passenden Job. Hier kannst du z.B. Vollzeit-Remote-Jobs finden:

Schau auch gerne mal bei den üblichen Job-Plattformen und suche nach Standort „remote“.

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Christian ist Gründer von lsww.de. Seit 2011 baut er Online Unternehmen wie fastbill.com, happycoffee.org, meerdavon.com oder diesen Blog hier auf, und teilt hier seine Erfahrungen aus dem Alltag als Online Unternehmer. Immer Remote und manchmal auf Reisen, idealerweise von dort, wo es Wellen zum Surfen gibt ✌️

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