Blogartikel schreiben in 16 Stufen: Die ultimative Anleitung, die dich vom Nichtblogger zum Schreibgott macht

Die ultimative Anleitung zum Blogartikel schreiben in 16 Stufen, die dich vom Nichtblogger zum Schreibgott macht.

Blogartikel schreiben

Gastbeitrag von Walter Epp, Buchautor, Blogger und dreifacher Vater. Auf seinem Blog schreibsuchti.de hilft er dir besser zu schreiben, ein Publikum aufzubauen und damit auch Geld zu verdienen. Hol dir hier seine 11 Rezepte für unglaublich erfolgreiche Blogartikel.

Das Internet ist wie Amerika in den 90er Jahren. Jeder will da rein. Jeder will groß raus.

Es ist wie im American Dream: Menschen aus aller Welt machen es sich zum Ziel, ein Internet-Imperium aufzubauen. Bloggen ist wie das Tellerwaschen – man fängt klein an und kann zum Media-Unternehmer werden.

Man kann. Man muss nicht.

Dass Bloggen kein Selbstläufer ist, bezeugen die vielen Blogleichen, die wir auf dem digitalen Bürgersteig liegen sehen.

Bloggen ist eine Reise mit vielen Stufen. Stufen, die man meistern muss. Stufen, die man oft nur nach vielen Monaten erklimmt.

Um diese Stufen zu meistern, habe ich gefühlt eine Ewigkeit gebraucht. Ich möchte dir deshalb ein Abkürzung geben.

Es ist praktisch eine Landkarte für die Reise des Bloggens. Es ist die Landkarte, die ich gebraucht hätte, als ich anfing zu bloggen.

Ich bin nämlich eigentlich Diplumjurist – und lebhaft schreiben ist das Letzte, was uns im Studium beigebracht wurde.

Meine Texte waren vor einigen Jahren so lahm wie ein angeschossener Esel.

Deshalb musste ich mir das Bloggen mühsam aneignen.

Schritt für Schritt.

Stufe für Stufe.

Insgesamt gibt es 16 Stufen, die einen Blogartikel ausmachen.

Und hier sind meine Rezepte, um sie zu meistern.

Die Überschrift

Zutat #1: Schreibe zuerst die Überschrift

Bevor du anfängst wie wild in die Tasten zu hauen und den Artikel deines Lebens zu schreiben, brauchst du eine Überschrift.

Die Überschrift solltest du immer zuerst schreiben. Sie ist zugleich der Rahmen und der rote Faden für deinen Artikel.

Ich sage immer: Eine Überschrift ist ein Versprechen an den Leser.

Um diese Lektion zu lernen habe ich Jahre gebraucht. Ich hoffe du lernst schneller als ich.

Zutat #2: Verwende emotionale Wörter

Deine Überschrift braucht emotionale Wörter, um Interesse bei deinen potentiellen Lesern zu wecken.

Damit fängst du sie und sie öffnen deinen Artikel.

Es ist ein großer Unterschied, ob deine Überschrift „7 Fehler, die jeder Tennis-Neuling macht“, heißt, oder „7 peinliche Fehler, die jeder Tennis-Neuling macht und sich auf dem Platz blamiert“.

Wer will sich schon blamieren?

Niemand.

Und genau deshalb wird auch der Text mit den emotionalen Worten in der Überschrift geöffnet und gelesen.

Zutat #3: Problem siegt über Vorteil

Deine Überschrift kann noch so motivierend sein – eine Überschrift, die ein konkretes Problem anspricht, wird immer der größere Eyecatcher sein.

„Verbessere dein Englisch in 10 Schritten“ ist bestimmt ein toller Artikel, aber „Machst du einen dieser 10 Fehler auf Englisch“ wird schlechtweg öfter geklickt.

Die Menschen wollen wissen, ob sie zu denjenigen gehören, die den Fehler machen.

Die Angst, etwas zu verlieren, ist meist größer als der Wunsch etwas zu bekommen.

Mit anderen Worten: Niemand macht die Nacht durch, um 100 Euro zu verdienen. Aber viele machen die Nacht durch, um 100 Euro nicht zu verlieren.

Zutat #4: Kleine Zauberwörter

Es gibt drei kleine Zauberwörter, die bei mir einen großen Unterschied gemacht haben: ohne, obwohl, auch.

Wenn du diese Wörter in deine Überschrift einbaust, dann wirst du deine Klickzahlen nicht wiedererkennen:

„Wie du jede Woche einen Blogartikel schreibst, auch wenn du keine Zeit hast“

„Wie du jeden Tag naschen kannst, ohne dicker zu werden“

„Wie du deine Preise erhöhst, ohne Kunden zu verlieren“

So nimmst du mit diesem kleinen Halbsatz schon die Einwände des Lesers vorweg. Sein größter Einwand ist weg, jetzt muss er klicken.

Die Einleitung

Zutat #5: Schreibe die Einleitung nicht am Anfang!

Als ich anfing zu bloggen, da schrieb ich wie die Meisten: von links nach rechts. Von oben nach unten.

In der Schule haben wir immer gelernt: Einleitung, Hauptteil, Schluss.

Aber Blogartikel haben wir in der Schule nicht geschrieben. Außerdem: Welcher Text, der in der Schule geschrieben wurde, war wirklich spannend?

Die besten Texte in der Schule waren die Schmierereien auf dem Jungenklo.

Du brauchst erst einen fertigen Hauptteil, um eine Einleitung schreiben zu können.

Warum? Weil deine Einleitung immer auf deinen Hauptteil hinarbeitet und es keinen Sinn macht eine Einleitung für einen Hauptteil zu schreiben, den es nur in deinem Kopf gibt.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Schreibe zuerst deinen letzten Satz. Dein Finale. Dann den Hauptteil. Dann erst die Einleitung.

Du wirst sehen: Wenn das Ende fertig ist, schreibt sich der Rest viel schneller.

Zutat #6: Beginne mit einem Erdbeben – dann langsam steigern

Der erste Satz hat Macht. Er entscheidet darüber, ob dein Blogartikel gelesen wird oder nicht.

Man munkelt, dass man nur 8 Sekunden hat, um die Aufmerksamkeit des Leser zu gewinnen.

Damit dein erster Satz knallt, habe ich 7 Ideen für dich:

Die Beichte:

Der Satz „Ich muss dir etwas beichten“, wird die Aufmerksamkeit deines Lesers sofort einfangen.

Die Geschichte:

Beginne deinen Artikel mit einer Geschichte. Jeder liebt Geschichten, denn unser Gehirn ist darauf programmiert.

Der Witz:

Ein guter Witz geht immer. Ist zwar riskant, aber sehr effektiv.

Das Zitat:

Niemand kann Albert Einstein widersprechen, oder? Deshalb lass ihn den Anfang machen.

Die direkte Rede:

„Wenn du noch einmal in mein Zimmer kommst, dann brate ich dein Gesicht in meinem Waffeleisen“, schrie Maria zu ihrem Bruder. Das ist ein guter erster Satz, um einen Blogartikel über Familienprobleme zu schreiben.

Die Pyramide:

Mit jedem Satz gibst du etwas mehr Informationen preis. Optisch sieht das ganze dann aus wie eine Pyramide. Jeder Satz ist länger, als sein Vorgänger:

War er tot?

Alex öffnete seine Augen.

Er lag in einem weißen Raum, umgeben von Schläuchen und piepsenden Geräten.

Die Provokation:

Provoziere deinen Leser mit einer unrealistischen These. Im ersten Satz musst du es dann aber auflösen, damit der Leser sofort versteht, dass es nur eine Provokation war. Ebenfalls riskant, aber effektiv.

Der Hauptteil

Nicht jedes Element, das ich für den Hauptteil aufliste, muss in einen einzigen Artikel gequetscht werden.

Das wäre zu viel des Guten. Benutze dein Fingerspitzengefühl.

Zutat #7: Storytelling

Dein Hauptteil braucht eine Story.

Nichts vermittelt deine Idee besser als eine Geschichte. Außerdem erhöht das die Aufmerksamkeit des Lesers.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Jedes Mal, wenn mir eine gute Geschichte über den Weg läuft, dann speichere ich sie (zumindest in Stichpunkten) in Evernote ab. So wächst ein Swipe File an Geschichten heran.

Zutat #8: Anekdoten

Merke dir Anekdoten von bekannten Persönlichkeiten wie Aristoteles, Einstein und Michael Jordan und verwende Sie in deinen Blogartikeln:

»Geh mir aus der Sonne!«, sagte der Kyniker Diogenes, als Alexander der Große versprach, ihm jeden Wunsch zu erfüllen, den er aussprechen wolle. Dem Philosophen aber war das, was er hatte, genug.

Am besten schreibst du dir solche Anekdoten auch in deinen Swipe File, damit du sie immer griffbereit hast.

Zutat #9: Cliffhanger

Der Cliffhanger funktioniert einfach immer, egal ob in Büchern, Filmen oder Blogartikeln.

Eine Frage kommt auf, wird aber nicht sofort beantwortet.

Die Antwort kommt, wenn man lange genug liest.

Willst du, dass dein Artikel bis ans Ende gelesen wird?

Dann baue einen Cliffhanger ein.

Ich habe einen Weg gefunden, wie mir alle Männer zu Füßen liegen werden. Ich habe nämlich herausgefunden, was im Gehirn der Männer eine chemische Reaktion auslöst, der sie nicht widerstehen können.

Was genau habe ich entdeckt?

Zutat #10: Humor

Dein Text braucht Humor, egal ob schwarz, sarkastisch oder einfach ein Witz wie: Treffen sich 3 Freunde. 2 davon sind Blogger, der Dritte hat auch kein Geld.

Auch Lustige Vergleiche kommen immer gut an: Die Idee ist so ausgelutscht, wie ein Trinkpäckchen, an dem 5 Kamele gelutscht haben.

Was ich lernen musste: Nicht jeder Leser hat den gleichen Humor wie du. Das ist auch nicht schlimm. Schließlich willst du nicht alle Menschen ansprechen, sondern nur die Richtigen.

Zutat #11: Show, don’t Tell

Sage nicht einfach, dass du müde bist.

Zeige es.

Zeige die Augenringe, den sechsten Kaffee und den unaufgeräumten Schreibtisch.

Der Leser wird von selbst drauf kommen, dass du müde bist, er ist ja nicht dumm.

Lass immer Raum für die Phantasie des Lesers – vor allem, wenn du Geschichten erzählst.

Zutat #12: Der Leser muss denken!

Kaue nicht alles durch.

Der Leser versteht mehr als du denkst.

Kürze alles weg, was nicht überlebensnotwendig ist.

Zutat #13: Vermeide Sprichwörter

Sprichwörter sind wie eine Narkose fürs Gehirn. Der Leser schläft sofort ein.

Jedes Mal, wenn ich „Übung macht den Meister“ lese, dann werde ich aggressiv. Es zeigt, dass der Autor faul war. Zu faul, um eine bessere Formulierung zu finden.

Das Ende

Zum Schluss kommt natürlich noch das Ende.

Der Rezenzeffekt besagt, dass sich Menschen besser an das Ende erinnern als an den Anfang, solltest du hier nicht schlampig sein.

Beginne mit einem Bang. Beende mit einem Boom.

Zutat #14: Verwende einen Call to Action

Motiviere deinen Leser. Fordere ihn dazu auf, etwas zu verändern und einen deiner Tipps zu befolgen.

Zutat #15: Die Klippe

Im Gegensatz zum Cliffhanger kommt die Klippe unerwartet und die aufgeworfene Frage wird nicht beantwortet.

Man könnte es auch das offene Ende nennen.

Die Klippe erschaffst du, indem du früher als erwartet beendest.

Dieser Überraschungseffekt bleibt dem Leser im Gedächtnis.

Zutat #16: Die Frage

Schließe deinen Artikel mit einer Frage, die nur dein Leser beantworten kann.

Auch hier musst du nicht alle drei Regeln gleichzeitig befolgen. Suche dir eine aus oder kombiniere zwei, wenn es passt.

Das ist die lange Reise vom Nicht-Blogger zum Blogger

Du denkst jetzt vielleicht: Ich werde sofort alles umsetzten, was ich gerade gelesen habe!

Das ist ein großartiger Gedanke, aber ich gebe dir noch einen kleinen Tipp:

Niemand wird Blogger über Nacht. Dahinter verbirgt sich ein mühsamer Prozess.

Konzentriere dich erstmal auf eine Stufe.

Ich habe für einige Stufen Monate gebraucht, andere habe ich immer noch nicht gemeistert.

Das Wichtigste: Gib niemals auf.

Ich war auch kein geborener Blogger. Ich bin einer geworden.

Und du kannst es auch werden.

Wenn du es willst.

Schreib großartig, sei großartig,

Dein Walter

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